Kinder liegen im Kreis auf Wiese
5 wertvolle Tipps zur Mobbingprävention

28.05.2021

Schätzungsweise jedes 7. Schulkind macht in den ersten vier Schuljahren negative Erfahrungen mit überfordernden Konfliktsituationen. Diese Erfahrungen können sich im schlimmsten Fall negativ auf die weitere Entwicklung der Kinder auswirken. Es ist eine Katastrophe für unsere Kinder und deren Zukunft. Deshalb müssen wir gemeinsam daran arbeiten, diese Zahl zu minimieren.

Schon jetzt sind die Zahlen alarmierend: Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung 2019 erfährt mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen in Deutschland in der Schule Ausgrenzung, Hänseleien oder sogar körperliche Gewalt. Jedes dritte Kind leidet unter Mobbing. Fast jedes zweite Kind leidet unter Stress.

Die Pandemie ist eine zusätzliche Belastung für Kinder und Jugendliche – auch was die Angst vor Mobbing angeht. Laut der Copsy-Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf 2021 empfinden 8 von 10 Kindern die Pandemie als äußerst belastend, 7 von 10 Kindern berichten von einer geminderten Lebensqualität.

Böse Worte wie Beleidigungen oder Lästereien, Ausgrenzung und Isolation und leider auch oft Gewalt zehren an der Energie der Kinder und nehmen den Kindern ihre Positivität. Besonders in Zeiten, in denen man wenig Möglichkeiten hat, positive Energie zu tanken. Doch wie soll sich ein Kind im Leben behaupten, wenn es nicht einmal die Kraft hat, seine Bedürfnisse wahrzunehmen? Ich möchte den Kindern einen Lichtblick und Energiekick geben und ihre Durchhaltekraft positiv stärken.

Mit einem dringenden Appell richte ich mich als Resilienz-Expertin an Eltern und Pädagogen. Kinder sollen sich auf das Wesentliche im Leben konzentrieren können: Glück, Wachstum, Wissen, Gesundheit und Liebe; damit sie ihren Alltag und ihr Leben stark und mit Energie meistern können.

Das gelingt am besten, wenn alle an einem Strang ziehen. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass unsere Kinder eine glückliche und selbstbestimmte Kindheit haben, ohne Mobbing und üble Konflikte!
Mobbingprävention ist ein sehr wichtiges Thema für unsere Kinder und ihre Zukunft.

Was ist Mobbing überhaupt?
Mobbing ist ein individuell gefühlter Prozess und abhängig von der Persönlichkeit des Kindes. Was dem einen Kind nichts ausmacht, wirft das andere völlig aus der Bahn. Deshalb ist es generell wichtig, Kinder in ihrem Selbstwert zu stärken und kindgerecht Werkzeuge an die Hand zu geben, die ihnen helfen, in Mobbingsituationen sicher zu reagieren, ohne an sich zu zweifeln. Das gilt auch bei Cybermobbing. Wobei Cybermobbing noch brisanter und aggressiver sein kann, da der Täter unter dem Deckmantel der Anonymität handelt und dem Opfer nicht gegenübersteht.

Mobbing ist eine Herausforderung. Jeder Mensch hat die Fähigkeit an Herausforderungen zu wachsen, seien es Beleidigungen, Ausgrenzungen, Konflikte, Verlust, Trennung oder das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Es gibt sowohl für Kinder als auch für Erwachsene Strategien, die helfen damit umzugehen. Und je früher man sich mit seinen eigenen Gefühlen, Gedanken und Bedürfnissen auseinandersetzt, desto besser. Denn es ist einfacher Kinderherzen zu stärken als kaputte Herzen von Erwachsenen zu reparieren.

Wie können Sie Ihr Kind vor Mobbing schützen?
Gerne möchte ich Ihnen Tipps zur Mobbingprävention an die Hand geben, welche Sie in den Alltag mit Ihrem Kind integrieren können.

1. Sicherer Hafen
„Ein Schiff ist im Hafen sicher, doch dafür werden Schiffe nicht gebaut.“ (John Augustus Shedd) Schiffe werden im Hafen gebaut und müssen auf dem stürmischen Meer bestehen. Genauso ist es mit unseren Kindern. Ihr Leben mit all den Herausforderungen ist vergleichbar mit dem stürmischen Meer. Um diese stürmischen Zeiten zu meistern, müssen die Kinder nicht zu Hause „abgehärtet“ werden. Kinder brauchen einen sicheren Hafen, in dem sie sich geborgen fühlen und Energie tanken können, um stark durchs Leben zu gehen. Bieten Sie Ihrem Kind einen Rückzugsort mit Harmonie und Ruhe. Geben Sie Ihrem Kind Sicherheit und Vertrauen.

Die bedingungslose Liebe zu Ihrem Kind spielt hierbei eine wichtige Rolle. Trennen Sie das Verhalten von Ihrem Kind zu Ihrem Kind selbst, das heißt lieben Sie Ihr Kind, weil es da ist. Machen Sie es nicht davon abhängig, was Ihr Kind tut. Dazu zählt auch eine gewisse Fehlerkultur. Kinder lernen aus Versuch und Irrtum sowie durch Erfolgserlebnisse. Jeder darf Fehler machen, denn aus Fehlern lernt man. Kinder brauchen Herausforderungen, um durch Erfolg oder Misserfolg zu lernen. Bieten Sie Ihrem Kind im „sicheren Hafen“ Herausforderungen an und begleiten Sie es. Ihr Kind wird gestärkt daraus hervorgehen. Erzählen Sie Ihrem Kind, dass Sie stolz auf es sind und was es alles gut kann.

Haben Sie Freude und Spaß mit Ihrem Kind, feiern Sie Partys und vermeiden Sie unnötige Konflikte zu Hause unter dem Motto „Mehr umarmen, wenig streiten“.

2. Vorbilder
Kinder lernen durch Vorbilder. Seien sie authentisch. Kinder sehen, was wir Eltern machen, das heißt machen wir etwas Anderes als was wir sagen, machen wir uns unglaubwürdig.

Womit beschäftigen wir uns den ganzen Tag: mit den negativen Schlagzeilen über Covid 19 oder mit positiven Dingen? Gerade in der jetzigen Zeit ist es wichtig, dass wir den Fokus auf das Gute richten. Sprechen Sie hauptsächlich die Dinge an, die gut gelaufen sind, anstatt beispielsweise zu sagen „Du hast Dein Zimmer nicht aufgeräumt“, „Das hat nicht geklappt“, „Du hast schon wieder das Glas umgeworfen“. Regen Sie sich somit nicht über jede Kleinigkeit auf.

Durch die Covid 19-Pandemie sind die Kinder sowieso schon verunsichert. Sie sind durch die Kontaktbeschränkungen isoliert. Die Eltern sind gestresst durch Home-Office, fehlende Kinderbetreuung, Home-Schooling, Anforderungen an allen Ecken und Enden, zu wenig Zeit alleine, kaum Ruhe.

Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die aktuelle Situation und seine Unsicherheit. Schauen Sie trotz des angespannten Alltags gemeinsam mit Ihrem Kind auf das Gute in Ihrem Leben: Auf das was gut klappt, das, was Spaß macht und auf seine Stärken. Gerade jetzt wo es keinen verlässlichen und strukturierten Alltag mit uneingeschränkten Kontakten und Nähe zu anderen Menschen gibt, brauchen die Kinder ihre Eltern als starke Vorbilder.

3. Selbstbewusstsein
Selbstbewusstsein hat nichts damit zu tun, ob wir uns bestimmte Dinge zutrauen. Selbstbewusstsein ist wie ein Anruf bei der Auskunft. Die Auskunft ist unsere Persönlichkeit und hat alle unsere Erfahrungen, Bedürfnisse, Wünsche, Gefühle und unser Verständnis für uns und unsere Umwelt gespeichert. Durch unsere fünf Sinne haben wir in der Vergangenheit Situationen wahrgenommen und daraus sind unsere Erfahrungen entstanden. Aufgrund unserer Erfahrungen haben wir bestimmte Wünsche/Bedürfnisse und Gefühle.

Im Hier und Jetzt nehmen wir mit unseren fünf Sinnen die jetzigen Situationen wahr und stellen fest, ob unsere Wünsche/Bedürfnisse gestillt werden oder nicht. Je nachdem geht es uns gut oder schlecht. Und diese Gefühle spiegeln sich in unseren Handlungen wider.

Wie schaffen wir es selbstbewusst zu werden? Ganz einfach: Rufen Sie sich selbst an und fragen Sie sich: Wie fühle ich mich? Wie denke ich gerade? Welches Bedürfnis steckt hinter den Gefühlen, die ich gerade habe?

Selbstbewusstsein ist ein Prozess des sich mit sich selbst Verbindens. Es führt dazu, dass ich mir meiner eigenen Grenzen bewusst bin und mich so von anderen Menschen oder Situationen abgrenzen kann.
„Viele Eltern sind nicht daran interessiert, wie ihre Kinder wirklich denken und fühlen. Sie interessieren sich mehr dafür, wie Kinder zu denken und zu fühlen haben.” (Jesper Juul)

Aber wenn Sie möchten, dass Ihr Kind selbstbewusst wird, müssen Sie Ihr Kind fragen: Wie fühlst Du Dich? Welcher Gedanke und welcher Wunsch stecken hinter dem Gefühl? Was brauchst Du damit es Dir besser geht?

Sprechen Sie mit Ihrem Kind über seine und Ihre Wünsche/Bedürfnisse. Helfen Sie ihm wie es seine Wünsche/Bedürfnisse gestillt bekommt, ohne mit seinen Handlungen anderen zu schädigen.

Treten Sie mit Ihrem Kind in Kontakt, in dem Sie sich auf Augenhöhe des Kindes begeben und sehen Sie sich die Welt aus Sicht der Kinder an. Sagen Sie „JA“ zu Ihrem Kind: „Ich sehe Dich, ich respektiere Dich und wir finden gemeinsam eine Lösung“.

Stellen Sie auch die Frage „Wie geht’s Dir?“, wenn es Ihrem Kind gut geht, damit das Kind seinen Fokus auf das Gute richtet. Bleiben Sie im Austausch, im Dialog mit Ihrem Kind.

Wenn Ihr Kind selbstbewusst ist, kann es seine eigenen Grenzen klarer wahrnehmen, wissen, was gut und gesund für es ist, um Abstand von schädlichen Dingen zu nehmen.

4. Meinung
Menschen haben Meinungen. Es ist egal, was Ihr macht oder wo Ihr seid. Es wird immer Menschen geben, die Euch toll finden, anderen seid Ihr egal und manche können Euch nicht ausstehen. Und das ist auch okay, denn Ihr findet ja schließlich auch nicht alle Menschen gleich nett. Ihr könnt nicht wirklich steuern, was Menschen über Euch denken. Wenn Ihr gemeine Kommentare von anderen bekommt, könnt Ihr Euch das zu Herzen nehmen oder denken: „Ist ja nur eine Meinung“.

Helfen Sie Ihrem Kind, dass nicht alles, was andere Menschen über es denken, wichtig ist. Sagen Sie zum Beispiel nicht zu ihm: „Was sollen denn die Nachbarn denken“. Vermitteln Sie Ihrem Kind, dass Worte zunächst nur Worte sind. Wir können andere nicht ändern, aber man kann sich entscheiden, ob man ihnen die Macht über sich gibt oder nicht, das heißt, ob die Worte einen verletzen oder nicht.

Selbstverständlich sollte Ihr Kind sich ein paar Menschen heraussuchen, deren Meinung ihm wichtig ist und denen es vertraut. Diese Menschen dürfen Ihr Kind auch kritisieren.

Es gäbe weniger Mobbingprobleme, wenn Kinder lernen würden nicht alles anzunehmen. Aber wir als Eltern bringen Ihnen das oft anders bei. Wer kennt diese Sätze? „Wenn Dich jemand ärgert, musst Du Dich wehren“ oder „Du darfst Dir das nicht gefallen lassen“. Stellen Sie sich vor, Ihr Kind wird nun beleidigt. Was macht es dann? Es regt sich auf und schenkt seinem Gegenüber Aufmerksamkeit und Beachtung. Somit bekommt er die Macht, also genau das, was er möchte und ärgert immer weiter. Aus diesem Grund sollte Ihr Kind lernen sich Beleidigungen nicht zu Herzen zu nehmen. Es sollte ruhig und entspannt bleiben; sich umdrehen, weggehen und mit anderen Kindern spielen.

Üben Sie das mit Ihrem Kind in Rollenspielen, damit es solche Situationen im Alltag meistert. Wichtig dabei ist die Körperhaltung. Ihr Kind sollte mutig und aufrecht stehen und dem Gegenüber in die Augen schauen. Jedes Mal, wenn Ihr Kind beleidigt wird, soll es an Menschen denken, die es lieben und an Dinge, die es gut kann. Wenn man dies bei den Kindern unterbewusst verankert, lassen sie schlechte Situationen nicht mehr in ihr Herz.

5. Energie
Energie braucht jeder Mensch. In Mobbing- oder Konfliktsituationen ist es wichtig ruhig zu bleiben. Jeder hat ein Energielevel. Wenn zwei Kinder im Konflikt sind, gewinnt derjenige mit mehr Energie.
Helfen Sie Ihrem Kind ausreichend Energie zu bekommen, damit es in herausfordernden Situationen widerstandsfähig ist. Füllen Sie die Energiespeicher Ihres Kindes auf! Eigene Tipps haben Sie bestimmt schon gehört, denn sie sind selbstverständlich. Aber manchmal vergisst man sie.

Gesundes Essen und genug Trinken spielen eine wichtige Rolle. Sport und Bewegung, raus in die Natur und dosierter Medienkonsum erhöhen die Energie Ihres Kindes. Lassen Sie Ihr Kind mit guten Gedanken einschlafen. Fragen Sie Ihr Kind abends, was heute schön war und was ihm Spaß gemacht hat. Energie ist da, wo ich meine Aufmerksamkeit habe.

Richten Sie den Fokus auf das Gute, in dem sie Dinge ansprechen, die gut gelaufen sind. Kinder brauchen einen sicheren Hafen voller Geborgenheit und Liebe, sowie starke Vorbilder und ein starkes Umfeld. Nehmen Sie sich bewusst Zeit für Ihr Kind. Sie sollen Spaß und Freude mit ihren Liebsten haben, sei es beim Spielen, beim Vorlesen, beim Feiern oder beim Erleben. Kuscheln Sie mit Ihrem Kind und sagen Sie ihm, dass Sie stolz auf es sind. Laden Sie Ihre Akkus und die Ihres Kindes auf und geben Sie Energiefressern keine Chance!

Mobbingprävention ist wie ein Sporttraining. Im Gehirn entsteht eine Verknüpfung von verschiedenen herausfordernden Situationen und dem daraus resultierenden Handeln. Nehmen Sie meine Tipps mit und setzen Sie diese mit Ihrem Kind um. Es ist wichtig, dass Sie es annehmen und weitertragen, damit Ihr Kind gestärkt durchs Leben gehen kann.

Ermöglichen Sie Ihrem Kind eine glückliche und selbstbestimmte Kindheit ohne Mobbing und üble Konflikte. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass Kinder Glück und Geborgenheit bekommen, so dass sie ihren Weg gehen und gut sind, wie sie sind, für mehr Helden in dieser Welt!

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Autorin:
Aline Fink ist Mutter von zwei wunder­baren Kindern, Veranstaltungs­managerin, Selbstbehauptungs- & Resilienztrainerin, Kinder- & Jugendcoach in ­Zertifizierung.
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