Kleinkind im Sandkasten

Foto: © pixabay.de

Kindern muss man Grenzen setzen! Muss man?

28.05.2021

„Grenzen setzen!“ ist ein Dauerbrenner unter den Erziehungstipps. Was ist dran, an einem so tiefsitzenden gesellschaftlichen Glaubenssatz?

Gesellschaft funktioniert über gesetzliche Vorgaben und Richtlinien. Der Wunsch, Kinder bestmöglich auf gesellschaftliches Funktionieren vorzubereiten, prägt Erziehung. Übereifrig springt bei manch einem der Alarm an, wenn ein 3-Jähriger sich am Sandspielzeug eines anderen bedient, ganz ohne vorher zu fragen. Oder: Eltern, die auch beim 75. Mal den Lichtschalter an- und ausknipsen zum Kind nicht „Nein“ sagen wollen. Dabei bleibt offen: Was will Mama eigentlich? Wo ist der Mittelweg?

Ein Wegweiser

In Familien braucht es keine künstlichen Grenzen – keine Regeln, um der Regeln Willen
Stellen Sie sich die Frage: Was taugt uns als Familie? Was ist mir wirklich wichtig? Wo kann ich Fünfe gerade sein lassen? Was kann mein Kind altersbedingt überhaupt leisten? Wo ist es überfordert? In welcher Situation kann ein 3-Jähriger am Esstisch sitzen bleiben? Kleinkinder haben das Grundbedürfnis nach Autonomie und Selbstwirksamkeit. Eine „Ja-Umgebung“ zu schaffen ist in dieser Zeit hilfreich.

Haben Sie Vertrauen in die Entwicklung Ihrer Kinder! Kinder werden Grenzen lernen
Natürliche und persönliche Grenzen kennen zu lernen sollte ohne Druck und in liebevoller Begleitung erfolgen – ganz wie das Laufen lernen. Gehen Sie achtsam und offen mit den Grenzen um, die es ohnehin gibt. Diese Grenzen sind wertvoll. Wenn Ihnen etwas sehr wichtig ist, ist das Ihre Grenze. Ihr Arbeitslaptop ist nicht zum Spielen? Erklären Sie das Ihrem Kind – verständlich, konsistent und wertschätzend.

Lernen am Beispiel und über Erfahrungen
Kinder lernen überdurchschnittlich am Vorbild ihrer Eltern. Auch Kinder haben individuelle Grenzen. Was ist jetzt gerade wichtig für mein Kind? Wurde eine Grenze meines Kindes übertreten? Heute gibt es kein Küsschen für Oma, das können wir akzeptieren. Überprüfen Sie, ob Ihre Erwartungen an das Kind entwicklungsgerecht sind und in der Situation passen. Wer ständig überfordert ist oder missverstanden wird, verliert seine natürliche Neigung zu kooperieren. Ein Kind, das erfährt „mein Nein wird gehört und akzeptiert“, kann wiederum lernen, das Grenzen wertvoll sind und das „Nein“ eines anderen anzuerkennen.

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Autorin:
Nathalie Nobbe ist verheiratet und Zweifach-Mama. Als Schlafcoach für Babys und Kleinkinder und bindungsorientierte Eltern-Beraterin unterstützt sie Familien bei pädagogischen Herausforderungen individuelle Lösungen zu finden, umzusetzen und Beziehungen zu stärken.
https://www.nobbe-elterncoaching.com/

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