Schwester betrachtet gemeinsam mit Baby ein Bilderbuch.

Foto: © Fotolia.com/famveldman

Das Zweite wird geboren!

14.07.2016

Die Geburt eines jeden Kindes ist für alle Beteiligten aufregend und sorgt stets für eine tiefgreifende Veränderung im Alltag der Familie.

Und wenn das zweite Kind geboren wird, ist das immer noch keine Routine für die Eltern – und schon gar nicht für das erste Kind. Mit der Geburt der Schwester oder des Bruders wird aus dem vormaligen Einzelkind nun ein Geschwisterkind. Als Eltern wünschen wir uns, dass sich unser Erstgeborenes auf das Neugeborene freut und es ebenso willkommen heißt, wie wir. Aber das fällt dem älteren Kind nicht immer leicht. Schließlich verliert es nun seine exklusive Position – es wird gewissermaßen vom Thron gestoßen.

Was können wir tun, um dem größeren Geschwisterkind den Umgang mit dem Säugling zu erleichtern?
Wir sollten die negativen Gefühle der älteren Kinder nicht verurteilen, sondern Verständnis für ihre Situation aufbringen: Sie stehen nicht mehr im Mittelpunkt und müssen nun die Aufmerksamkeit der Eltern mit dem Geschwister teilen. Das ist nicht einfach für das Kind!

Wir sollten den Kindern nichts vormachen: Mit dem Neugeborenen kommt kein Spielkamerad auf die Welt, sondern ein kleiner Mensch, der manchmal auch ganz schön anstrengend für alle in der Familie ist.

Wir sollten das ältere Geschwisterkind einfühlsam am Alltag mit dem Neugeborenen teilhaben lassen: Die Älteren dürfen sich an der Sorge um das Neugeborene mit einfachen Tätigkeiten, die Spaß machen sollen, beteiligen. Gerade in der ersten Zeit nach der Geburt des Geschwisterkindes sollten die Erstgeborenen erleben, dass Mutter und Vater auch exklusiv Zeit für sie aufbringen. Sie sollen spüren: Auch wenn sie die Aufmerksamkeit nun teilen müssen, haben die Eltern sie doch sorgsam im Blick. So müssen die Älteren keine Angst um ihre Position in der Familie bekommen und sie dürfen einen Wandel erleben, der für sie nicht belastend werden muss. Und dann dürfen sie – Schritt für Schritt – erleben, dass „Geschwister sein“ nicht vorrangig Konkurrenz und Anstrengung, sondern ebenso Freude und Anerkennung beinhaltet.

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Michael Kraus

Autor:
Michael Kraus ist Diplom-Psychologe, arbeitet in der Familienberatung und ist Vater von drei Kindern.

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